Bauernhof-Romantik: Was die Medien nicht zeigen, ist nicht passiert.

Wie weit beeinflussen die Medien unsere Vorstellungen über die Welt? Bestimmte Phänomene sind uns in einer Form im Bewusstsein, die weit entfernt ist von der Realität. Denotation und Konnotation als Erklärung für widersprüchliches Verhalten?
Zwei extreme Einstellungen dienen der Verdeutlichung:
"Die Milch wird vorsichtig aus der Kuh gestreichelt."
Das Bild auf der Packung suggeriert es, und die eigene Vorstellung will es so: Das Verhältnis des Bauern zu seinen Kühen ist ebenso persönlich wie meines zu meiner 1300 Euro teuren Angorakatze. Er hat nichts besseres zu tun als darauf zu warten, dass sie freiwillig ihre Milch in den Holzeimer lässt. Dabei streichelt er ihr den Rücken.
Der Wald ist der Ort in dem sich die Amazonen in knappen Tigerfell-Röckchen von Baum zu Baum schwingen. Schlimmstenfalls gibt es einen bösen Konzernchef, der die Bäume abholzt um seine Fabrik dorthin zu bauen, doch das haben die Amazonen schon im Griff.
"Die Kuh mag nicht gemolken werden."
Die Gegenposition ist die der Soja-Fetschisten: Alles, was vom Tier ist, ist mit Schmerzen des Tieres verbunden, das Betreten des Waldes macht ihn kaputt, und unsere Luft wird durch Fürze derart verschmutzt, dass wir besser keine Kinder kriegen sollten ohne die Verschmutzung in Sojakonsum wieder gut zu machen.
Bei dieser emotionalen Vorstellung wird systematisch verdrängt, der Bauer keine EU-Subventionen für den liebevollen Umgang mit Tieren erhält, unsere Sojabohnen größtenteils als Monokultur auf ehemals bewaldetem Amazonas-Gebiet gewachsen ist, und wir täglich unser Einzelkind vom Gymnasium mit dem 12,7-Liter-Geländewagen abholen.
Denotation und Konnotation
Dieses Phänomen lässt sich am besten mit den Begriffen Denotation und Konotation erklären.
Denotation ist eine Vorstellung von Dingen, die durch Wissen geprägt ist. Dieses Wissen wird in der Sozialisation und durch Bildung und Erfahrung erworben. Imm Falle des Bauernhofes haben wir uns mit mehreren Landwirten bzw. Lebensmittelproduzenten direkt über ihren Beruf und die Probleme der Produktion unterhalten oder haben selbst irgendwie Erfahrungen gesammelt.
Bei der Konnotation überwiegt eine wage, oft emotional geprägte Vorstellung über das Wissen. Wir denken wir wüssten etwas über Nahrungsmittelproduktion, während unser Bild jedoch durch Medien- und Werbungsindustrie entstanden ist.