Open Source und Weiterbildung

Erst nur aus Kostengründen habe ich mich anfangs für die (kostenlosen) Alternativen der mir bekannten Software aus der Freeware- und Open Source-Sparte interessiert. Heute ist der Open Source Gedanke ein wichtiger Faktor meiner Zukunftsplanung, ebenso wie die ständige Weiterbildung in einem Gebiet, das sich zwar fast zu schnell entwickelt, aber dadurch auch immer spannend bleibt.

Grundgedanke: Offene Quellen

"Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden."
(Die Physiker, Friedrich Dürrenmatt)

Es ist in der Welt und wird immer dort bleiben. Dass Dürrenmatts groteske Trakigkomödie im Bereich der Wissenschaften spielt, ist kein Zufall, denn es geht um die Gedanken, die das eigentliche Produkt der Wissenschaften sind.

Gedanken zu schützen ist eine lästige Gewohnheit unserer Gesellschaft geworden. Dabei geht es meist nicht um den Gedanken selbst, sondern um Geld. Heute verdienen Firmen Geld mit den Gedanken bereits gestorbener Menschen: Musiker, Autoren, Wissenschaftler etc.

Die Informatik hat die Idee, die eigenen Werke zu schützen, in ein Paradoxon verwandelt. So wie es völlig irrational wäre, den Gedanken der Addition und Quadratwurzel zu schützen, ebenso sollten auch Algorithmen, deren Einsatzgebiete noch ungewiss sind, nicht geschützt werden. Unsere gesamte IT-Entwicklung basiert auf dem teilenden Grundprinzip der Quelloffenheit. Viele Firmen sind nicht dadurch gewachsen, dass sie besser als andere gedacht haben. Stattdessen haben sie ihre - nach ihrer eigenen Definition sogar "gestohlene" - Gedanken geschützt und verkauft. Jede Software basiert auf allgemein bekannten Algorithmen, und so ist das Copyright an sich hier bereits unehrlich.

Und wie soll man da noch Geld verdienen?

Nicht die Alles-kostenlos-Ideologie ist das Ziel von freien Lizenzen und offenen Quellen, zumindest nicht in nächster Zukunft. Es darf weiterhin Geld verdient werden. Allerdings sollte niemand das Recht haben, die Idee / den Gedanken zu verkaufen, sondern deren Einsatz zur Lösung von Problemen.

Ein Beispiel: Das Content Management System TYPO3 ist kostenlos. Wer jedoch eine Internetseite mit TYPO3 erstellen will, der benötigt gewisse Kenntnisse darüber, wie man die Seite optisch und inhaltlich gestalten kann. Es muss ein gewisses Minimum an Kommunikationskonzept dahinter stehen. Das benötigt Zeit. Die Webseite muss von einem Programmierer konfiguriert werden. Das dauert auch bei Profis eine Anzahl Stunden. Dann müssen Texte und Inhalte eingestellt werden, auch das braucht Zeit. Und eben diese Zeit wird im Normalfall auch bezahlt: dem Konzepter, dem Entwickler, dem Redakteur.

Gesamtgesellschaftlich betrachtet wird diese Einstellung zum Wissen zu mehr Wohlstand führen. Denn jeder, der etwas entwickelt, stellt es der Allgemeinheit zur Verfügung, so dass Arbeiten so gut wie nie doppelt erledigt werden müssen. Einziger Unterschied: es würde niemanden mehr geben, der auf Lebenszeit von den Renditen eines vergangenen Glücksgriffs profitiert.

Selbstverständlich ist der freie Nutzungsgedanke nicht in allen Bereichen realisierbar. Insbesondere, wenn es um materielle, anfassbare Werte geht, kosten die Bereitstellung Geld. Ob und wie weit diese Infrastruktur in Zukunft vom Staat übernommen wird, kann spekuliert werden. Der IT-Bereich jedenfalls ist ohne Open Source nicht mehr denkbar.